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HANSEstyle 2 | 2016

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Stets ein Blick auf die

Stets ein Blick auf die Hamburger Schulen: Dr. Michael Voges

Wirtschaft & Politik „Bildung ist der größte Aufstiegsturbo!“ Dr. Michael Voges (63) ist Staatsrat der Behörde für Schule und Berufsbildung. Im Gespräch mit HANSEstyle unterstreicht er, welche Bedeutung das Erlernen der deutschen Sprache für die Integration hat, er beantwortet die Frage, ob das Abitur an Gymnasium und Stadtteilschule gleichwertig ist und er erzählt, wovon der Bildungserfolg bei Kindern wirklich abhängt. HANSEstyle: Unter den von Hamburg aufgenommenen Flüchtlingen sind über 6.000 schulpflichtige Kinder. Wie gehen Sie mit dieser Herausforderung um? Staatsrat Dr. Voges: Es gibt wohl kein Thema, das uns in den letzten Monaten so beschäftigt hat wie die Beschulung von Flüchtlingen. Wir alle wurden von der großen Anzahl an Menschen, die seit letztem Sommer zu uns gekommen sind, überrascht. Und es ist tatsächlich eine große Herausforderung. Im Vergleich zu anderen Ländern hat Deutschland jedoch früh reagiert und mit der Beschulung begonnen. Die Systeme mussten zwar sehr schnell wachsen – doch schon vor dem letztem Sommer hatten wir verschiedene Formen von Vorbereitungsklassen. Zum Beispiel gab es bereits sogenannte Basisklassen für diejenigen, die noch gar nicht alphabetisiert waren. Für die anderen Schülerinnen und Schüler haben wir im allgemein bildenden Bereich internationale Vorbereitungsklassen mit unterschiedlichen Jahrgangsstufen sowohl in der Grundschule als auch in der Sekundarstufe I angeboten (Anm.: Die Sekundarstufe 1 umfasst die Schulstufen der mittleren Bildung, in Deutschland zum Beispiel die Hauptschule oder das Gymnasium bis zur neunten Klasse). Dort werden die Kinder auf den Regelunterricht vorbereitet. Wie wichtig ist Beschulung in den Erstaufnahmeeinrichtungen für die Integration? Es gibt keinen wirksameren Weg zur Integration als Bildung und Ausbildung. Wo, wenn nicht dort, können junge Menschen besser auf das Leben in einer neuen Umgebung vorbereitet werden. Die Sprache ist das Wichtigste. Sie ist der Schlüssel zur weiteren Bildung; aber sie ist zum Beispiel auch wichtig, um Alltagssituationen kennenzulernen und um Orientierungswissen zu bekommen, sodass man sich in einer Stadt wie Hamburg, in einem Land wie Deutschland aufhalten und zurechtfinden kann. Plötzlich sind viel mehr Kinder schulpflichtig und müssen alphabetisiert werden. Wie ist das zu schaffen – auch im Hinblick auf Klassengrößen? Da Flüchtlinge sich zum Teil drei bis sechs Monate in den Erstaufnahmeeinrichtungen aufhalten, können wir mit dem Unterricht nicht bis zur Unterbringung in einer Folgeeinrichtung warten. In Hamburg haben wir konsequent versucht, so früh wie möglich in den zentralen Erstaufnahmeeinrichtungen zu unterrichten. Das hat zwar nicht immer vom ersten Tag an geklappt, aber dieses Ziel hatten wir stets vor Augen. Wir haben zum Beispiel von Lehrern und Sozialpädagogen betreute Lerngruppen mit ca. 15 Schülerinnen und Schülern eingerichtet – zunächst jahrgangsübergreifend. Dafür haben wir Unterrichtsmaterial entwickelt, sodass von Beginn an möglichst viel Spracherwerb passiert. Wenn die Flüchtlingsfamilien im Anschluss an die Erstaufnahme in öffentlich-rechtliche Unterkünfte kommen, versuchen wir, die Beschulung in internationalen Vorbereitungsklassen oder, für diejenigen, die 16 oder älter sind, im berufsschulischen Bereich zu schaffen. Dies sind Klassen, die wir bei Bedarf einrichten, meist in einem gewissen Umkreis um die großen Unterkünfte herum. Denn sie müssen erreichbar sein, der Schulweg muss bewältigt werden können. In diesen Lerngruppen halten sich die Schülerinnen und Schüler im Durchschnitt ein Jahr lang auf. Erst dann erfolgt der Übergang in das Regelsystem. Wer zum Beispiel in der zweiten Jahreshälfte des letzten Jahres nach Hamburg gekommen ist, sollte in der zweiten Hälfte dieses Jahres in Regelklassen übergehen können. Sie sind in der Kultusministerkonferenz aktiv. Gibt es eine für alle Bundesländer geltende Definition, was schulisches Bildungsziel ist? Oder definiert das jedes Bundesland immer noch für sich selbst? Es gibt längst Standards. Nach der ersten deutschen Teilnahme an der PISA-Studie gab es bekanntlich einen Aufschrei. Im Nachgang hat die Kultusministerkonferenz etliches auf den Weg gebracht. So wurden für Grundschulen, den Mittleren Bildungsabschluss sowie die Allgemeine Hochschulreife Bildungsstandards definiert und verabschiedet. Diese bestimmen, was Schülerinnen und Schüler „Die Sprache ist das Wichtigste. Sie ist der Schlüssel zur weiteren Bildung.“ Dr. Michael Voges 19

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